Ein Jahr auf Weltreise: So haben wir uns verändert

Nun sind wir fast ein Jahr auf Reise. Sind wir immer noch die selben Menschen? Hat uns das Nomadenleben verändert? Sind alle Hoffnungen und Träume eingetroffen, oder haben wir uns falschen Vorstellungen unterworfen? Und die Master-Frage: Ist Deutschland und das System, rückwirkend betrachtet, wirklich so schlimm gewesen?

 

 

 

Überraschende Antworten warten in diesem Blog auf euch.

Die Finanzen

 

Fangen wir mal mit der lieben Geldfrage an: Wir haben eine große Summe Geld im Vorwege gespart. Für uns viel, für andere vielleicht nicht. Mit dieser Summe wollten wir uns 2 Jahre über Wasser halten, auch wenn wir zwischendurch nichts verdienen. Dies war reichlich naiv gedacht. Das Geld ist zu einem Großteil aufgebraucht, und dies obwohl wir durchaus schon Geld verdient haben. Wir haben jeden Monat deutlich mehr Geld ausgegeben, als wir geplant haben.

 

Am Anfang der Reise war das schlechte Gefühl durchaus noch groß, wenn das gesetzte Limit deutlich überschritten wurde. Inzwischen haben wir uns mehr oder weniger daran gewöhnt. Unser Hausbau-Projekt in Borneo hat unserer Kasse leider auch sehr geschadet. Natürlich war dies vorauszusehen. Der Plan ist ja gewesen, dass wir im Notfall immer eine Base haben, von wo aus wir sparen können, wenn das liebe Geld zu neige geht. Theoretisch müssten wir nun jedoch 1,5 Jahre dort bleiben, damit es sich auch lohnt. ;-)

 

Hat sich unser Verhältnis zu Geld verändert?

 

Ja! Wir sehen Geld noch immer als notwendig an. Doch mit einem positiveren Grundgefühl. Wir haben einige Reisende getroffen, welche sich durchaus unbeschwerter durch die Welt träumen. Doch wenn das Geld ausbleibt, dann holt einen die Realität wieder ein. In einem globalen kapitalistischen Wirtschaftssystem, kann man nunmal nicht einfach auf Geld verzichten. Mit wenig Geld auskommen und dennoch glücklich sein? Das auf jeden Fall. Mit günstigen Unterkünften, selbst gekochten und einfachen Gerichten, langsame Transportmittel wie Zug und Bus. Doch sollte man realistisch sein: Egal wie günstig und minimalistisch man lebt, irgendwann ist das Ersparte dennoch weg. Und sollte unser restliches Leben nur noch auf Verzicht basieren? Wir haben 3 Monate gezeltet, sind mehrfach mit der günstigsten Holzklasse gefahren und haben auf jeglichen Konsum verzichtet. Wir wissen, was es heißt günstig zu leben. Die Lebenserhaltungskosten eines Einheimischen können Reisende jedoch nicht erreichen.

 

Housekeeping, Couchsurfing und Co sind tolle Sachen. Dies kann die Kasse durchaus mal entlasten, etwas nachhaltiger dürfte es für unseren Geschmack dann aber doch sein.

 

 

Somit war die Frage des Geldverdienens immer präsent. Unser unternehmerisches Verständnis und Interesse, ist auf Reise gewachsen. Geprägt von falschen Glaubenssätzen haben wir „Geld verdienen“ mit etwas negativen assoziiert. Der kapitalistische Gedanke widerstrebt mir auch noch immer. Doch finanziell erfolgreich kann man nicht werden, wenn man das Geld verdienen als solches, mit etwas negativen belastet. Falsche Glaubenssätze wie: Geld versaut den Charakter, tragen dazu bei, dass der Wille, Geld zu verdienen, in den Hintergrund tritt. Ein guter Mensch mit Geld, wird doch aber nicht zu einem schlechten Menschen. Geld zeigt vielmehr den wahren Charakter eines Menschen.

 

 

Wenn man dies erst einmal begriffen hat und die alten Glaubenssätze durchbricht, kann man anfangen Geld zu verdienen. Nicht als das nötige Übel betrachten, sondern als Möglichkeit. Wir werden immer minimalistisch bleiben und werden uns auch nie überflüssigen Luxus hingeben. Aber wir wollen nie wieder vor den Fragen stehen: Krankenkasse, ja oder nein? Tütensuppe oder Korb voller Früchte?

 

Es ist unglaublich welche Möglichkeiten auf einen warten, wenn man seinem Verstand erst einmal die Erlaubnis erteilt, sich in diese Richtung zu bewegen.

 

Wären wir mit diesem Verständnis und Wissen vor einem Jahr auf Weltreise gestartet, wer weiß wo wir heute wären?

 

Nun, wo die finanziellen Mittel, auch Aufgrund von Fehlwirtschaften, leider fast aufgebracht sind, können wir leider keine großen Sprünge mehr schaffen und uns nur langsam in die richtige Richtung bewegen.

 

Wie groß ist die Angst wieder nach Deutschland zu „müssen“?

 

Zugegebener Maßen war diese Angst durchaus groß. Vor allem deswegen, weil wir wohl wieder in einen Job zurückkehren müssten, den wir hassen und all unsere gefundene Freiheit kastrieren würden. Vor allem die Gewissheit, dass man wohl nie wieder die Kraft aufbringen kann, den Ausbruch erneut zu schaffen. Ein Gefühl wie in Schillers Taucher, der es zwar einmal geschafft hat, aber beim nächsten Versuch, untergegangen ist.

 

Doch heute sehen wir das ein wenig anders:

 

Wir sind so unglaublich überzeugt davon, dass wir nicht mehr in Deutschland leben wollen, dass wir es auch nicht werden. Vielleicht sind wir irgendwann gezwungen, temporär zurückzukehren um wieder Geld zu verdienen. Jedoch sehen wir unsere Zukunft nicht in Deutschland. Die Lebensfreude die wir auf Reise erfahren haben, ist für uns (subjektiv) undenkbar in Deutschland.

 

Und so werden wir alles dafür geben, auf Reise zu bleiben, bzw. wieder auf Reise zu gehen.

 

Wir haben, individuell für uns, völlig neue Möglichkeiten gefunden unser Leben zu gestalten. Diese wollen wir nicht wieder gegen die Ketten des Systems eintauschen.

 

War Deutschland also wirklich so schlimm?

 

JA. Für uns war es kein Leben. Eine Arbeit die keine Freude gemacht hat. Kein Geld, nicht einmal für Dinge die man nicht haben will. Die Wunschkinder in Institutionen gezwungen, die sie nie selber wählten. Mehr Zeit mit Menschen verbracht, die man nicht mochte als mit der eigenen Familie. Das peinliche Wetteifern mit der Gesellschaft. Sinnlose und oberflächliche Gespräche als gäbe es keine echten Probleme auf der Welt. Falsche Freunde, falsche Prioritäten, falsches Leben.

 

Ich will kein Leben mehr, in welchem ich mich aufs Wochenende freue. Ich will kein Leben mehr, in dem ich die meiste Zeit Dinge mache, die ich nicht mag und die Dinge die ich mag, nur selten tue. Ich will mir nicht mehr wünschen, dass meine Lebenszeit schneller abläuft, nur damit ich es endlich hinter mir habe. Ich will nie wieder ein Zombie sein.

 

 

Jedoch haben wir auf unserer Reise Menschen getroffen, die sich nach diesem Leben zurücksehnen. Feste Strukturen und Verläßlichkeiten haben ja auch ihren Vorteil. Ein Leben auf Dauerreise durchaus Nachteile.

 

Ein Leben in Deutschland hat viele Vorteile, welche sich erst auf Reisen so wirklich offenbaren. Durch Zeitmangel, Geldmangel, Müdigkeit, Gesellschaftsdruck, Regeln und Verpflichtungen erkannten wir den Wald vor lauter Bäumen nicht. Die irrationale Angst vor dem „Scheitern“ wie auch immer dieses aussehen mag, ließ alle Alternativen unmöglich erscheinen.

 

Doch heute erkennen wir durch den Perspektivenwechsel, welche Mechanismen und psychologischen Fallen einen früher daran gehindert haben, glücklich und erfolgreich zu sein.

 

Auch wenn auf Reisen bei weitem auch nicht alles Gold ist was glänzt, so überwiegen für uns die Nachteile in Deutschland.

 

Die größte Erkenntnis unserer Reise?

 

Absolute Freiheit erfährt man nicht durch das Verlassen des Systems! Freiheit kann man nur gänzlich erfahren, wenn man Sie im Geiste auch zulässt. Die Reise und der resultierende Perspektivenwechsel helfen einem dabei.

 

Text: Alex Kaspareit

 


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Kommentare: 4
  • #1

    Zebrafalter (Donnerstag, 28 Juni 2018 16:23)

    "welche Mechanismen und psychologischen Fallen einen früher daran gehindert haben, glücklich und erfolgreich zu sein." Es wäre schön, wenn ihr hier etwas konkretere Ausführungen gemacht hättet ^^. Zum Thema Materialismus und gesellschaftlicher Wetteifer: beides gibt es auch, sogar teils viel heftiger, in den Ländern, in denen ihr nun lebt. Nur als Aussteiger kriegt ihr nicht viel davon mit. Andersherum kann man auch in Deutschland ohne diese Mentalität leben und Gleichgesinnte finden. Der einzige Unterschied ist eben das bessere Wetter, und die schöneren Strände in Asien ;)

  • #2

    fragefrosch (Mittwoch, 04 Juli 2018 19:22)

    hallo alex,

    müsst ihr denn nun wieder zurück oder könnt ihr bleiben? Viele Grüße!

  • #3

    Alex (Donnerstag, 05 Juli 2018 16:29)

    kommt auf den Zeitrahmen an und die Optionen bis dahin. Zur Zeit (dieses Jahr) besteht noch keine Notwendigkeit zurück zu kehren.

  • #4

    fragefrosch (Freitag, 06 Juli 2018 00:34)

    Ah okay. Aber ist denn der Plan generell - für immer sozusagen - dort zu bleiben (sofern alles gut läuft, Business/ Kohle/ gutes Gefühl und so) oder habt Ihr schon den Gedanken, in den nächsten Jahren zurück zu kommen? Für mich wäre das schon "kopfmässig" ein Riesenunterschied.

    Viele Grüße!

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