Welcome to the Jungle

Nach drei Monaten am paradiesischen Strand in absoluter Zurückgezogenheit, zog es uns zur Weihnachtszeit in die Zivilisation: Nach Kota Kinabalu, kurz: KK

Speziell der Kinder zu liebe, wollten wir das Weihnachtsgefühl etwas aufleben lassen, welches am Strand unter Palmen einfach nicht so entstehen wollte.

Uns trennten lediglich 2 Stunden Busfahrt von der großen Stadt und diese reichen sicherlich nicht aus, sich nach über 3 Monaten Einsamkeit an die Menschenmassen zu gewöhnen.

Auch wenn es bei Weitem größere Städte gibt, und auch Dreckigere, so ist es doch eine Großstadt.

Den ersten Tag konnten wir unsere Gefühle nicht richtig zuordnen. Wir wussten nicht, ob wir es mögen sollen oder eben nicht. Wir brauchten dringend neue Klamotten und auch ein paar Geschenke, um den Weihnachtsmann zu entlasten. Für diese Mission war das Imago-Shopping-Center unsere beste Wahl. Wir haben unser altes Leben mit Konsum und Überfluss hinter uns gelassen. Doch fiel uns der Kaufrausch an, wie ein tollwütiges Tier. Wir leben minimalistisch und haben unsere Bedürfnisse auf funktionale und existenzielle Dinge reduziert.



Wir betraten dieses Center, besser gesagt: es hat uns eingesaugt. Vier staunende, hirnlose Wesen ohne eigenen Willen. Wünsche wurden erzeugt, die vorher nicht da waren. Unser Vorsatz, lediglich schnell das zu kaufen was wir benötigen, wurde in der ersten Minute ohne Worte gemeinschaftlich für beendet erklärt. Es ist ein Abenteuer gewesen, ein Vergnügungscenter, aus dem man nicht mehr raus möchte. Das perfekte Zusammenspiel mit der passenden Beleuchtung, Dekoration, einlullender Musik und exzellent arrangierter Waren überlisten den rationalen Verstand und man versinkt immer tiefer in die fensterlose Kaufhaushölle.

Wünsche wurden geboren und Bedürfnisse geschaffen, die vorher nicht dagewesen sind. Wie durch ein Wunder haben wir das Kaufhaus nur mit dem verlassen, was wir vorher geplant haben zu kaufen. Der Blick in den Himmel und der anschließende zur Uhr ließ uns erstarren. Wir haben mehr als 5 Stunden in diesem Gebäude verbracht, wovon wir wohl die meiste Zeit ein Gesichtsausdruck haben mussten wie Homer Simpson, wenn er an Donuts denkt. Unsere Gehirne waren auf Standby und wir folgten den rudimentären Instinkten. Zum Glück haben wir keinen Blödsinn gekauft, womöglich all unser Erspartes ausgegeben. In jedem Fall verstehen wir, dass es den meisten Menschen sehr schwer fällt, sich dem Konsumzwang zu entziehen. Sich nicht mit der Herde treiben zu lassen und sich Dinge kauft, nur um kurzfristig berauscht zu sein. Das Vergnügen beim Kaufen ist ohne jeden Zweifel grandios. Viel toller als das Vergnügen an der Sache selbst, die man sich kauft. Jedoch hält dieses Gefühl nicht an. Es verfliegt viel zu schnell und dann kommen die Kopf- und Bauchschmerzen über das verprasste Geld. Dieses ist uns zum Glück erspart geblieben.

Der nächste Tag ist angebrochen und wir wollten mal etwas anderes erleben als eine der unzähligen Shopping-Malls zu besuchen, die sich alle 200 Meter ablösen. Dies scheint aber gar nicht so leicht zu sein. Wir fanden einen kleinen Park, der jedoch nicht den Namen verdient hat. Eine Wiese mit ein paar Bäumen. Nichs besonderes. Bei TripAdvisor wurden wir auf einen alten Uhrturm aufmerksam, der sich in der Stadt befinden soll. Wahnsinn. Da wir uns ungefähr vorstellen konnten, wie ein Uhrturm aussieht, ließ diese Sehenswürdigkeit nicht gerade unsere Herzen höher schlagen.

So machten wir uns auf die Suche nach einem guten Restaurant um unserer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Doch auch hier wurden wir maßlos enttäuscht. Es gibt zwar ein paar vegetarische Restaurants, jedoch war keines dabei, welches seine Speisen nicht in ein Ölbad zu ertränken versucht. Eine riesige Stadt mit millionen Menschen, die leider keine Ahnung hat wie man sich gesund ernährt.

Wir schauten auf den Kalender. Es waren noch 5 Tage bis Weihnachten, welche wir vorhatten, in dieser Stadt zu verbringen. Doch wir wussten einfach nicht, was wir hier so lange machen oder essen sollten.

Die Stadt konnte unseren Tatendrang nicht befriedigen, also haben wir unsere Suche auf einen größeren Radius ausgeweitet. Und so wurden wir auf den Mount Kinabalu Park aufmerksam. Schnell war klar, dass wir dort unbedingt hin müssen. Zum einen fiel uns bereits die Decke auf den Kopf und zum anderen hatten wir bereits gehörig die Nase voll von der langweiligen Stadt, in der man außer Kaufen wohl keine anderen Hobbys zu haben scheint.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit einem sehr netten, aber sehr redseligen Uber-Fahrer, die zwei Stunden bis nach Kundasang um den MKB-Park zu besuchen. Ein voller Erfolg. Das Wetter war zwar nicht so euphorisch wie wir, doch dass machte nichts. Die kühlen Temperaturen waren uns gerade recht beim Wandern und Erkunden.

Die frische Luft und die atemberaubende Natur hat uns schnell wieder vor Augen geführt, wo wir hin gehören. Wo wir sein wollen. Die Stadt mag gut sein um wichtige Sachen zu kaufen. Ansonsten dient sie offensichtlich nur, um sich zu betäuben, sich gegenseitig mit Protz, Rotz und Nebensächlichkeiten zu überbieten. Neben der schlechten Luft führt man sich zusätzlich ungesunde Nahrung zu und erkennt in seinem Kaufrausch gar nicht, dass man immer fetter und kränker wird.

Der wunderschöne Regenwald schreit einen förmlich an, wie falsch eine solche Lebensweise ist. Wie dumm die Menschen sich verhalten. Die magische Kommunikation ist für alle hörbar und spürbar. Doch nur wenn man auch anwesend ist. Doch da waren nur wir. Wie so oft sind wir an den schönsten Orten der Natur völlig alleine. Wir sind traumhafte Trails und verwunschene Wege durch Gärten gewandert und haben nicht einen einzigen Menschen getroffen.

Der Zauber des Regenwaldes hat uns voll erwischt und wir fühlten uns klein und verletzlich. „Nur zu Besuch“ flüsterten die großen Bäume und wir verhielten uns entsprechend. Die Kinder versuchten die Baumkronen zu erkennen, welche sich in schwindelerregender Höhe aus dem Nebel erstreckten. Ihnen war klar, dass dieser Ort etwas Magisches an sich hat, doch reichte die Vorstellungskraft nicht aus ihnen zu erklären, wie riesig dieser Wald ist. Und dennoch so verletzlich.

Es war kein Sparziergang. Es war ein Abenteuer. Und das war es bereits, bevor wir tief im Dschungel auf einem ausgewiesenen Trail auf eine Absperrung stießen. Die Worte „Closed“ verrieten uns lediglich das offensichtliche, eine Alternative blieb uns das Schild schuldig. Da die Kinder bereits mehrere Stunden gewandert sind, war eine Umkehr keine Option. Also wagten wir uns in einen Nebentrail, der zwar zuerst befestigt aussah, sich jedoch als steil und anfängerunfreundlich erwies. Kollektives Mutmachen und verdrängen der Gefahren, wie Giftschlangen und Knochenbrüche durch abrutschen in endlose Tiefen, führte uns immer tiefer in den Urwald. Ein Weg ist kaum noch zu erkennen und durch heftige Regenfälle der Tage zuvor, glich der Boden einem Schlammmonster. Jeder Schritt musste gründlich überlegt sein. Immerhin hielten wir jeder ein Kind an der Hand, welches wir mit in die Tiefe reißen würden.

Als ich schon entschieden hatte, den Rückweg anzutreten beschloss Ariane es noch ein wenig weiterzuversuchen. Und tatsächlich war dies die richtige Entscheidung. Wenige hundert Meter weiter gab es die ersten Anzeichen für einen offiziellen Weg. Stufen, welche zwar sehr steil in den Erdboden eingearbeitet wurden, bewiesen, dass hier schon mal ein Mensch gewesen ist und besser noch: Dieser Weg tatsächlich irgendwo hinführte. Dreißig Minuten später waren wir wieder am Fuße des Mount Kinabalu und in Sicherheit.

Solche Erlebnisse brennen sich wirklich ins Gedächtnis ein.

Der Canopy-Walk, weitere 1,5 Stunden Autofahrt weiter in dem Ort Ranau, war ein krönender Abschluss für einen wundervolles Abenteuer in den Regenwald von Borneo.

Nach diesem Erlebnis war uns klar, dass wir unsere Zeit nicht länger in der Stadt verschwenden wollen. So sind wir gleich am nächsten Tag wieder zurück in den Earth-Park gefahren, um dort Weihnachten zu feiern.

Konsum kann von Problemen und Sorgen ablenken. Um den Kopf jedoch frei zu kriegen und seine eigentlichen Probleme in den Griff zu kriegen, ist ein Besuch in der guten alten Natur wohl die bessere Alternative. Probierts mal aus ;-)

Text: Alexander Kaspareit


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