Vater sein und nicht nur Vater sein

Das sanfte Wellenrauschen wurde an diesem wundervollen heißen Sommertag durch das vor Freude jauchzende Kindergeschrei übertönt. Keine Wolke war am Himmel zu sehen und nur das kühle, klare Meer konnte der Hitze Einhalt gebieten. Und so trieb es meine süßen Zwerge immer wieder ins Wasser um sich abzukühlen und zu planschen. Sand-Matschekuchen wurden unter herzhaften Gekiecher gegenseitig auf die Bäuche geklatscht nachdem das Seeungeheuer mit reichlich Seetank auf dem Kopf erfolgreich erlegt wurde. Die gerechte Strafe war das Verbuddeln im warmen Sand, bis nur noch der Kopf raus guckte. Die kleinen Kinderaugen funkelten vor Freude und es war bestimmt einer der schönsten Tage dieses Jahres.

 

Genau weiß ich das nicht, denn ich war überhaupt nicht dabei. Ich musste arbeiten. Ich musste mich, wie so oft, mit Fotos begnügen und hatte nur eine schwache Vorstellung davon, wie der Tag wohl abgelaufen ist.

Während ich einer Tätigkeit nachgehe die einzig und allein den Zweck erfüllt, die Rechnungen zu bezahlen, den Kühlschrank zu füllen und uns ein Dach über dem Kopf zu sichern, leben meine Kinder die meiste Zeit so, als hätten sie keinen Vater. Ein Sonntags-Vater allenfalls. Meistens ist das genau der Tag, an dem sie dafür auf die Mutter verzichten müssen, da sie Sonntags arbeitet. Es ist als hätten wir ein getrenntes Sorgerecht.

Wäre der Preis dafür wenigstens, dass ich meiner Bestimmung/Berufung folge und an meinem Lebenswerk arbeite, könnte dieses Leben in der Form vielleicht noch einen Sinn machen. Nein, ich quäle mich zu einem Job der zwar gut bezahlt wird, aber keinerlei Spass macht. Jedenfalls nicht mir. Ich mache ihn einzig und allein um meiner Familie und mir eine Existenz zu sichern.

 

Morgens gibt’s ein Küsschen vor dem Kindergarten und am Abend eine kurze Kuscheltiershow bevor die kleinen müden Äuglein zu fallen.

 

In der Mittagspause schaue ich mir dann auf meinem Smartphone die aktuellsten Abenteuer meiner Kinder an. An fast keinem der Abenteuer war ich beteiligt. Ich teile so wenige Erinnerungen mit ihnen, obwohl wir unter einem Dach leben. Zumindest schlafen wir gemeinsam darunter.

 

 

Die Vorstellung die man als frischer Papa hat, seine Kinder gemeinsam mit der Frau die man liebt, aufzuziehen und bei jeder Entscheidung, bei jedem Ereignis und bei jedem Problem dabei zu sein, wird schnell von der Realität zerstört. Wenn ich Abends nach Hause komme, rennen mich meine Kinder fast um und wir versuchen verzweifelt die Zeit aufzuholen. Wir toben und spielen für kurze Zeit, doch dann fehlt fast die Energie noch von den schönsten Ereignissen des Tages zu berichten, bevor sie schon wieder ins Bett gehen.

 

In ihren Bettchen erzählen mir ihre zarten Stimmen Bruchstücke ihrer kleinen Welt. Erzählen mir von ihren Wünschen und Träumen, Hoffnungen und Ängsten und ich erkenne, dass diese kleinen Geschöpfe richtige kleine Persönlichkeiten geworden sind. Wann ist das passiert? Ich erkenne nicht die kleinen Schritte, nur den großen Sprung wenn es bereits passiert ist.

 

Ich höre sie leise atmen und mir wird wieder das Wunder bewusst, mit welchem alle Eltern gesegnet wurden. Ich küsse ihre süßen Gesichter und stelle mir vor, was sie wohl gerade träumen.

 

Traurig darüber, die Zeit nicht anhalten zu können verlasse ich das Kinderzimmer, konsumiere Blödsinn und falle erschöpft von der Arbeit selber in einen tiefen Schlaf.

 

Die bohrende Frage, die sich mir immer wieder stellt ist: Lohnt sich die Arbeit so sehr, dass man dafür die schönsten Jahre des gemeinsamen Familienlebens dafür opfert?

 

Was bringen uns 2 Autos, gesellschaftliches Ansehen und einen wohlgesonnenen Chef? Was bringt uns ein schönes Häuschen mit großem Garten, wenn wir dort nur selten gemeinsam spielen können?

 

 

 

Die Definition einer modernen Familie:

 

Der Mann arbeitet so viel, so hart und so lange wie möglich um zu vergessen, wofür er eigentlich arbeitet. Er sieht seine Arbeitskollegen 75% öfter als seine eigene Familie.

 

Die Frau ist ohne Unterstützung alleine mit den Kindern zu Hause und darf sich zusätzlich zum Haushalt um alle familiären Probleme alleine kümmern. Nicht selten muss die Frau zusätzlich, sobald der Mann nach Hause kommt oder frei hat, selber noch arbeiten gehen, damit es finanziell reicht.

 

Oft müssen die Kinder für viel Geld in einen Hort gebracht werden, zu fremden Menschen, ausschließlich gegen den Willen der Kinder um überhaupt einer Arbeit nachkommen zu können.

 

Da beide Elternteile unterschiedliche Jobs haben, werden natürlich auch 2 Autos benötigt.

 

Die Kosten für den Hort und das 2. Auto mindern den tatsächlichen Profit durch die Arbeit auf einen Bruchteil. Und das Geld was der Mann verdient geht meist gänzlich für den Erhalt dieses „Lebenserhaltungs-Systems“ drauf.

 

Das Wunder der modernen Familie!

 

 

 

Ich will ein Vater sein. Ich will an dem Leben meiner Kinder teilnehmen. Ich will mit ihnen zusammen selbst wieder Kind sein dürfen. Auf keinen Fall will ich länger unsere kostbare Zeit der Kindheit mit Abwesenheit verschwenden.

 

Ich muss keinem kranken System dienen um anerkannt zu werden. Ich gebe mich ganz bescheiden mit den glücklichen Augen meiner Kinder zufrieden.

 

Alex

 


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Kommentare: 3
  • #1

    Chris (Dienstag, 11 Juli 2017)

    was gibt es schöneres als ein Kinderlachen, eine Umarmung, ein Kuss, unendliche Liebe. Kinder sind schon von Geburt an eigene Persönlichkeiten und müssen nicht erst "etwas werden". Auch ich liebe meine jungen Menschen sehr und will viel mehr Zeit mit ihnen verbringen. Ich freue mich für euch auf eurem neuen Weg, und auch wir werden folgen <3

  • #2

    Alex (Donnerstag, 21 September 2017 16:07)

    Hallo Chris,
    auch wenn dein Eintrag bereits fast 3 Monate her ist, will ich mich für diesen bedanken. Ich habe ihn eben erst durch Zufall entdeckt. Sorry dafür.
    Ich wüsche euch ebenfalls alles Gute auf eurem Weg.
    Liebe Grüße, Alex

  • #3

    Gudrun (Dienstag, 03 Oktober 2017 20:31)

    Du schreibst sehr eindrucksvoll, man ist zu Tränen gerührt und kann plötzlich wichtig von unwichtig unterscheiden - Danke

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